Ein Bericht vom IRO Einsatztest

23.11.2016

Vom 09. bis zum 11. November 2017 haben wir - mein Hund Percy von Wiesmadern und ich - am Mission Readiness Test Trümmersuche der Internationalen Rettungshundeorganisation (IRO) im Tritolwerk / Wiener Neustadt / Österreich teilgenommen.

Dieser Test dient der Zertifizierung international einsatzfähiger Trümmersuchhund-Hundeführerteams gemäß dem Standard der IRO und entspricht dem des österreichischen USAR Teams AFDRU sowie dem der europaweit führenden Schweizer Rettungshundeorganisation REDOG.

Aber der Reihe nach:
Zunächst reisten die teilnehmenden Teams zwischen 16h bis 18h im Base of Operation (BoO) an und bauten ihr Zelt auf. Nur wenigen Teilnehmern war es vergönnt, in einem großen beheizten Gruppenzelt unterzukommen - die meisten campten, so wie ich, im unbeheizten Kleinzelt. Auch für die Verpflegung während des Tests war jedes Team selbst verantwortlich.

Ein Team besteht aus Hundeführer und Hund und zusätzlich einem Helfer, der während des gesamten Tests als Figurant zur Verfügung stehen musste und im Tritolwerk selbst untergebracht war und dort auch verpflegt wurde. Mein Helfer war John Ball, selbst ein IRO und INSARAG classifier, dem ich zu tiefem Dank verpflichtet bin, denn als Helfer bei Nässe und Kälte über Stunden (vielfach nachts) in Trümmerverstecken auszuharren ist nicht der angenehmste Job!
Ab 18h ging es dann zur offiziellen Registrierung im Recception und Departure Center (RDC), die eine Pass- und Gepäckkontrolle und einen Tierarztcheck für den Hund beinhaltet. Hier trennten sich die Wege von Team und mitgebrachtem Helfer bis zum Ende des Einsatztestes.

Um 20h bekamen die 18 Teams unseres ersten Durchgangs, die jeweils in Dreiergruppen organisiert waren, ihr Briefing. Ein Erdbeben hatte das Gebiet im Raum Wiener Neustadt großflächig zerstört - tausende von Menschen waren gestorben, tausende wurden noch vermisst. Wir mussten zur Suche im Bereich Theresienfeld zur Verfügung stehen. Dann ging es auch schon zurück ins BoO.

Gemeinsam mit zwei österreichischen Hundeführern war ich die dritte Hundeführerin in Team eins. Gegen 11 p.m. wurden wir zum ersten Mal zur Suche geholt. Holen bedeutet, dass eine Person in das BoO kommt und die Gruppe aufweckt, die binnen 15 Minuten zum Abmarsch bereit sein muss. Die Suche hat dann jeder Hundeführer für sich selbst zu absolvieren - sprich nach dem Aufwecken ging es erst noch mal in einen sogenannten Warteraum, aus dem wir nacheinander abgerufen wurden. Teil der Suche ist die sogenannte taktische Lage - aufgrund von Standardinformationen und Befragung muss eine Suchtaktik beschlossen und verkündet werden - sowie das korrekte Verhalten im Fall einer (oder mehrerer) Anzeige(n) und das Debriefing.

Nach der Suche zurück ins BoO, dick eingemummelt in den Schlafsack, schlafen. Das nächste mal wurden wir um 6:30 a.m. zur Suche alamiert. Diesmal hatte jeder von uns zwei Schadensplätze nacheinander abzusuchen. Danach Abseilen mit Hund aus dem Turm im Turmgebäude (ca. 30m Höhe) mit anschließender Belastungsanzeige, dann zurück ins BoO. Dann zum Test Erste Hilfe Hund. Dann zurück ins BoO. Dann zum Theorietest INSARAG Guidelines. Danach wieder zurück ins BoO und ausruhen. Um 6 p.m. wurden wir zur Nachtsuche über drei verschiedene Schadensplätze geholt - wieder hatte jeder Hundeführer jeden Schadensplatz abzusuchen, im Rotationsverfahren. Damit waren wir gegen 8 p.m. fertig. Zurück ins BoO, Schlafenszeit, wobei Schlafen natürlich relativ ist, weil ständig Teams kommen und gehen und das Aggregat für die Beleuchtung läuft. Aber so ist das halt. Um 3:30 a.m. dann wieder Aufstehen, bereit zum 10 km Marsch mit Gepäck und anschließender letzter Suche. Den Marsch soll man nach Möglichkeit in 2 Stunden abolvieren - wir haben 1 Stunde 45 Minuten gebraucht. Nach der letzen Suche hieß es warten auf das Ergebnis; 70% Findequote mussten wir haben und als Hundeführer überzeugen. Da saßen wir dann endlos rum, denn die letzten Teams waren erst gegen 2. p.m. mit allem fertig. In der Zwischenzeit bauten wir die Zelte ab (um 4 p.m. rückten ja die Teilnehmer für den zweiten Durchgang an) und dann, endlich, gab es die Ergebnisse... In unserem Team waren zwei Starter erfolgreich - Simon und ich. Andrea, die Dritte in unserem Bunde, schafft es sicher beim nächsten Mal!

Susanne Von Gersdorff

Zurück